Archive - 26. Februar 2015

Brief an einen wundervollen Menschen

Lieber wundervoller Mensch,

du sagtest, du kannst und willst nicht mehr mit mir befreundet sein, wenn ich die Wahrheit nicht vertrage. Die Wahrheit, dass die Welt nicht immer nur schwarz/weiß ist, sondern grau, und dass grau gut ist.

Es geht mir nicht darum, dass du mir gegenüber nicht ehrlich sein kannst. Im Gegenteil, ich habe schon oft gesagt, dass ich genau dies sehr an dir schätze. Das heißt aber nicht, dass ich mit dieser Wahrheit immer hundertprozentig umgehen kann und dass sie mich nie verletzt bzw. sehr nachdenklich macht.

Leider ist das Schwarz/Weiß genau eines der wenigen Probleme, die mich seit Jahren begleiten, für die ich jedoch noch immer keine Lösung weiß. Entweder bin ich total euphorisch, platze vor Energie, sehe alles weiß, oder ich bin traurig, alles ist vernebelt und schwer und schwarz. So fühlt sich eine Depression an.

Das ist sehr anstrengend und frustrierend für mich, da ein Teil von mir wie ein Außenstehender in einer Glaskugel ist, der diese Hochs und Tiefs sehr bewusst beobachtet, aber nicht eingreifen kann.

Ich weiß, dass dies als wirklich Außenstehender im Umgang mit mir ebenso anstrengend ist und ich verstehe, dass man irgendwann damit nicht mehr zurechtkommt bzw. nicht mehr damit umgehen mag. Nicht umsonst wünsche ich mir so oft, ich könnte aus meinem Körper aussteigen wie aus einem Taucheranzug und mir einen neuen anziehen, der sich leicht anfühlt, der bunt ist.

Für mich warst du bisher immer einer der Menschen, die mich so schwarz/weiß wie ich bin angenommen und akzeptiert haben. Das war wunderschön und ich bin dir sehr dankbar dafür.

Es tut weh, dass wir beide nun auch an dem Punkt sind, an dem das Schwarz/Weiß uns getrennte Wege gehen lässt, aber auch das werde ich überstehen. Ebenso wie du.

 

Du bist ein wundervoller Mensch. Alles Gute!